Sonntag, 14. August 2011

Polsterzipf

Der Polsterzipf ist ein Klassiker der Österreichischen Mehlspeisküche. Als ich klein war, gab es beim Heurigen immer als Nachspeise Polsterzipf. Topfenteig mit Ribiselmarmelade. Hmmmmm. Dazwischen kam dann der Niedergang des Polsterzipf: Fertigblätterteig mit Ribiselmarmelade mit möglichst wenig Fruchtanteil und oben einer dicken Staubzuckerschicht. (Wer mich kennt, der weiß, dass ich dicke Staubzuckerschichten überhaupt nicht leiden kann. Ich habe immer das Gefühl, dass diese Schichten nur dem Zweck dienen etwas zu verstecken.)
Gegen Ende der Schulzeit war dann eine Wiener Großbäckerei erstmals auf dem Vormarsch. Dort gab es zu Anfang ein ganz hervorragendes Ribiseltascherl. Das war im Grunde ein riesiger Polsterzipf. Die ersten Jahre war er ganz großartig, aber dann wurde das Rezept geändert und mittlerweile ist er leider nur noch fettig und hat schlimm an Geschmack einbüßen müssen.

Auf die Idee selbst einen Polsterzipf zu backen bin ich erst bei der Greisslerei des Taubenkobel vor einigen Wochen gekommen. Sonntag Abend im Burgenland. Alles hat zu. Da fällt dem Tangoero doch noch die Greisslerei ein. Wir erreichen sie kurz vor der Sperrstunde und können noch zum Servieren einer Krautsuppe und einer Hühnerleberpastete überreden. Die Krautsuppe (herrlich pannonisch, ungarisch, österreichisch) löst in mir einen Haufen an Kindheitserinnerungen und einen schier unbändige Lust auf Polsterzipf aus.

Langer Rede, kurzer Sinn: Ich habe mich an den Plachutta gehalten. Das Rezept ist watscheneinfach. Ich finde, dass man die Polsterzipfe möglichst klein machen sollte. Dafür kann man dann ja mehrere essen. Sie sehen so besonders hübsch aus und überhaupt hat man dafür mehr knusprige Ecken.


Polsterzipf
(nach Plachutta: Die gute Küche)
(für 20 kleine Zipfe, Zubereitungszeit: 20 Min. + 1 h Kühlzeit + 15 Min. Backzeit)


125g Butter
125g Topfen, 20 %
125g Mehl, glatt
Ribiselmarmelade (oder auch Preiselbeer oder Marille)
1 Ei, verquirlt
Mehl für die Arbeitsfläche
  • Butter, Topfen und Mehl schnell mit den Händen zu einem geschmeidigen Teig verarbeiten, in Alufolie wickeln und eine Stunde in den Kühlschrank legen.
  • Arbeitsfläche mit Mehl bestreuen.
  • Teig dünn auswalken, Quadrate von 4 mal 4 cm ausschneiden, ein wenig Marmelade in die Mitte setzen, Ränder ganz wenig mit Wasser bestreichen, zum Dreieck zuklappen.
  • Polsterzipfe auf ein Blech mit Backpapier setzen.
  • Mit einem Pinsel dünn mit Ei bestreichen.
  • 15 Min. bei 200°C backen.
  • Aus dem Rohr nehmen und mit Staubzucker bestreuen.

Donnerstag, 11. August 2011

Vorarlberg 2011

Vorarlberg ist für eine Ost-Österreicherin wie mich quasi das andere Ende der Welt. Der Gedanke nach Paris zu fliegen erscheint mir naheliegender, als nach Vorarlberg zu fahren. - viel zu weit weg. Fakt ist aber auch, dass Vorarlberg wunderschön und ein Bergfex Paradies ist. Die Leute sind irgendwie entspannter als im Osten und sehr herzlich. Ich mag Vorarlberg.

Ich hatte das Glück dort eine Woche zu verbringen und auch wenn die Gegend aus beruflichen Gründen leider nicht ausreichend genießen konnte, so konnte ich doch das kulinarische Vorarlberg ein wenig antesten.

Dornbirn
Restaurant Innauer
Das Restaurant Innauer hätte ich gerne in Wien. Ein stimmiges Bar-Cafe-Restaurant Konzept, ausgesprochen freundliche und geschulte Mitarbeiter, eine kleine und feine Karte, ein bemühter Patron und Innenarchitektur die mich persönlich sehr anspricht. Zum Aperitiv einen Wassermelonen-Melisse-Prosecco: extrem, extrem, extrem gut. Warum bin ich noch nicht selbst draufgekommen?
Zum Gedeck gibt es hausgemachtes Brot und einen Topfen-Senf-Pfeffer Aufstrich. Sehr gut. Als Gruß aus der Küche folgt ein Tabouleh mit Rochen. Auch sehr gut. Ich wähle die Pilzconsommé mit Garnelenpraline. Die Garnelenpraline war perfekt gewürzt. Die Suppe hat mir gut geschmeckt. Der Pilz hätte aber ruhig mehr dominieren dürfen. Zur Hauptspeise dann eine mit Gemüse gefüllte Kohlrabi auf einer unglaublich guten Sauce mit einem Espuma vom Kartoffelpuree. Dieses Hauptgericht war eine Wucht! Zum Dessert dann ein Schokoladenküchlein, Schokomousse und Mini Ganache Nockerl. Mir persönlich nicht kakaoig genug.

Schwarzenberg
Goldener Hirsch

Im Bregenzerwald versteckt sich das idyllische Schwarzenberg. Hier ist die Welt noch in Ordnung und man wähnt sich zwischen all den uralten Schindelhöfen wie in einem Hans-Moser-Film (auch wenn der eher in der Wachau gespielt hat). Auch der Goldene Hirsch ist in einem 250 Jahre alten Schindelhof zu Hause. Man speist in kleinen Stuben und der Boden knarrt wenn man durch den schönen Gang geht.

Die Atmosphäre empfand ich als besonders angenehm, vor allem weil es draußen ohne Unterbrechung schüttete. Beim Essen sei das knusprige Spanferkel und das Lamm Carpaccio hervorgehoben. Beides ausgezeichnet und gut gewürzt. Die Portionen nicht zu groß und nicht zu klein. Wirklich köstlich. Dazu ein Grauburgunder vom Bodensee. Bodenseewein ist ja eher ein weißer Fleck auf meiner persönlichen Weinkarte. Dieser hat mir sehr gut geschmeckt. Vielleicht also doch mehr Bodenseewein trinken.

Spannferkel mit Grieskartoffelknödeln und Gemüse

Carpaccio vom Lamm


Feldkirch
Restaurant St'Ill
Das Restaurant St'Ill stand ganz oben auf meiner Besuchsliste. Die wunderbare Denise Amann hat doch vor zwei Jahren einfach so ihr "Noi" am Brunnenmarkt zugesperrt. Das war ein schmerzlicher Schlag in die Magengrube, hatte die Gourmetdamenrunde dort doch ihre Gründungssitzung abgehalten und war wiederholt und gerne zurückgekehrt. Aber Denise ist nun mal Vorarlbergerin und wollte in die Heimat. Das Restaurant in Feldkirch ist nun ein richtiges Restaurant mit weißen Tischtüchern und Stoffservietten. Der kleine Gastgarten ist liebevoll gestaltet und ein Ort an dem man sich wohlfühlen kann. Der Service und die Weinberatung übernimmt Denise Freund Denis. Ich komme zum Punkt: das Essen. Wie bereits in Wien das gute hausgemachte Brot. Als Vorspeise ein Karfiol Panna Cotta mit Nektarinen-Felchen-Salat. Köstlich! Danach Mangold-Ziegenkäse-Rollen auf Gemüse. Wunderbar gewürzt und eine extrem angenehme Konsistenz. Da wird auch der Nicht-Vegetarier sehr glücklich. Zum Dessert (eigentlich konnte ich schon nicht mehr) eine Rosmarin Creme Brulee mit Pfirsich Röster. Rosmarin und Creme Brulee gefällt mir sehr gut.

Die Weinbegleitung übrigens besonders nett: als Aperitiv einen Armand Riesling Kabinett vom Reichrat von Buhl aus der Pfalz. 7,7% Alkohol, bei 56g/l Restzucker. Und das schönste an der Sache: der wächst auf weißem und gelben Buntsandstein. Das ist doch mit Abstand der Boden mit dem hübschesten Namen.
Weiter ging es mit einem Glaser Morillon und zum Abschluss einer burgenländischen Beerenauslese vom Syrah von Hartl. Sehr gut.

Karfio Panna Cotta mit Nektarinensalat und Felchen

Bregenz
Restaurant Mangold
Das Restaurant Mangold ist ja schon seit vielen Jahren ein Fixstern am Vorarlberger Gourmet Himmel. Auffällig ist das natürliche, freundliche gut geschulte Team. Vom Lehrling bis zur Chefin alle freundlich, bemüht und nicht gekünstelt. Das ist sehr angenehm. Der Schwerpunkt der Küche liegt auf saisonaler Küche. Wer hier öfter liest, der weiß, dass mir das wichtig ist. Als Gruß aus der Küche servierte man ein Mini-Vitello Tonnato. Hat man schon oft gegessen, aber so gut war das Fleisch selten. Anschließend entscheide ich mich für einen Salat mit Steinpilzen. Sehr gut. Weil der Hunger nicht gewaltig war, nahm ich zur Hauptspeise eine weitere Vorspeise: Octopus Carpaccio mit Kalbskopf. Sensationell! Die Präsentation war schon mal ein Augenschmauß. Das Carpaccio mit etwas Tomate, einigen Mini-Löfferln Creme Fraiche und einem Hauch Trüffelöl garniert. Darunter versteckt hauchdünner Kalbskopf und darauf 4 kleine Würfelchen gebackenes Kalbswangerl. Ich bin nun wirklich kein Kalbskopffan, aber dieser hat mir ausgesprochen gut geschmeckt. Zur Nachspeise noch Sauerrahmeis auf frischen Himbeeren mit einem Hipperl.

Octopus Carpaccio mit Kalbskopf

Konditorei Götze
Weiters ist die Konditorei Götz wie immer sehr zu empfehlen. Ich lehne mich wieder weit aus dem Fenster und behaupte, dass diese die schönste Kuchenvitrine in Österreich hat. Es sieht aus wie im Schlaraffenland. Sicher der Demel in Wien hat auch eine schöne Vitrine, aber bei Götz ist alles wunderbar stimmig. Bei Götz esse ich gerne die Himbeer-Buttermilch Torte, oder den Apfelstrudel oder auch die Germteig Speisen. Sehr gut ist übrigens auch das Konditor Eis.

Torten und Törtchen

Mehlspeisen und Petits Fours

Fredi's Käslädele
Dieses Käsegeschäft zählt wohl zu den Klassikern und bietet eine feine Auswahl an Käsen aus dem Bregenzerwald (es gibt auch einige internationale Käse). Die Mitarbeiterin berät besonders freundlich und sehr zu empfehlen sind die Weckerl, die auf Wunsch bereitet werden. Ich nahm einen Schnittlauchfrischkäse und dazu einen würzigen Bergkäse. Köstlich. Die Beratung ist hervorragend und so weiß ich jetzt, dass der Edelschimmel im Kühlschrank springen kann. Deswegen z.B. einen Camembert nie schlecht verpackt neben einem Appenzeller lagern, sonst könnte den Appenzeller recht bald ein weißer Flaum krönen.

Montag, 1. August 2011

Knusprige Mandelcremes Tartes mit Früchten

Knusper Knusper Knäuschen .... willkommen im Sommerhäuschen.

Die Früchte des Sommer gilt es zu verarbeiten und wer mir erklären kann wie ich Kompott mit gaaaanz wenig Zucker einkochen kann (von der Marille und vom Pfirsich) der möge sich bitte melden. Ich habe es letztes Jahr versucht und da ist alles binnen 2 Monaten verschimmelt. Heuer traue ich mich nicht so recht an die Sache ran. Andererseits würde ich im Winter so gerne verträumt aus einem 2l Glas mein eigenes Marillenkompott löffeln. Also, wie macht man das richtig?

Bis dahin verarbeite ich die herrlichen Früchte zu Knuspertartes. Das Rezept habe ich aus "Jetzt können die Gäste kommen" von Bernadette Wörndl. Diese kocht ja schon seit ein paar Jahren ganz fantastisch bei Babettes in der Schleifmühlgasse. Das Kochbuch finde ich sehr gelungen. Viele spannende Rezepte, keine freakigen Zutaten. Ein Wohlfühl-Kochbuch. Diese Knuspertarte habe ich schon im Babettes gegessen. Der Teig ist eine Mischung aus Mürb- und Blätterteig und ganz schnell gemacht. Die Mandelcreme gibt dem Obst noch einen edlen Touch. Ja, und als Obst kann man verwenden was der Garten gerade so hergibt. Ich habe Marillen, Zwetschken und Kriacherln verwendet.


Knusprige Mandelcreme-Tartes mit Früchten
(für 6 Minis oder 1 große Tarte, Zubereitungszeit: 25 Minuten)

Teig:
200g Mehl, glatt
2 EL Zucker
Salz
100g Butter, kalt
  • Mehl, Zucker und Salz in einer Schüssel verrühren.
  • Kalte Butter in Würfeln grob einarbeiten. (es sollen noch Butterstücke sichtbar sein)
  • 50 Milliliter kaltes Wasser hinzufügen und rasch zu einer Kugel drücken (nicht kneten).
  • Teig in 6 Portionen teilen, jede flach drücken und in Frischhaltefolie wickeln und im Kühlschrank rasten lassen.

Belag:
500g Obst
100g Butter
feiner Zucker
  • Obst in Spalten schneiden.
  • Butter in einem kleinen Topf schmelzen.

Mandelcreme:
100g Mandeln (ich gehobelte)
100g Zucker (ich Staubzucker)
100g Butter
1 Ei

  • Mandelsplitter in einer Pfanne rösten bis sie duften. Dann abkühlen lassen.
  • Mandelsplitter und Zucker mischen und mit dem Stabmixer fein mahlen.
  • Butter dazugeben und die Masse fein mixen.
  • Ei untermengen.

  • Teig aus dem Kühlschrank nehmen und jeweils 2-3mm dick ausrollen.
  • Auf ein Backblech mit Backpapier legen.
  • Mit Mandelcreme bestreichen, mit Obst belegen und den Rand einschlagen.
  • Mit geschmolzener Butter besreichen und mit etwas Zucker bestreuen.
  • Tartes im Backrohr bei 180°C in ca. 10-15 Minuten goldbraun backen.

Sonntag, 31. Juli 2011

Bagels

Bagels und New York. Das gehört irgendwie zusammen. Sehr gute Bagels sind schwer zu finden. Einen ganz köstlichen Bagel bekommt man in Wien im ersten Bezirk im Café Teitelbaum. Dort wird der Bagel zuerst kurz aufgewärmt und dann mit Frischkäse, Avocado, roten Zwiebelringen und 3 großen Kapern gefüllt. Das schmeckt köstlich. Besonders nett finde ich das nochmalige erwärmen des Bagels. Das ist irgendwie fürsorglich und schmeckt besonders gut.

Das Backen von Bagels umgibt mindestens soviele Sagen, wie die Herstellung von Marshmallows (bei den Marshmallows stimmen ein paar, denn da bin ich schon sagenhaft eingefahren). Aber ich habe eine gute Nachricht: Bagel backen ist ganz einfach und es macht so viel Spaß. Bagels bestehen ja aus Germteig. Man formt die Bagels, lässt sie gehen und dann kommt der Clou: Der Bagel wird zuerst 1 Minute in kochendem Wasser gegart und erst dann gebacken. Das klingt viel komplizierter als es ist.

Und das Beste: Bagels lassen sich gut einfrieren und dann bei Bedarf aufbacken.


Bagels
für 12 Bagels, Zubereitungszeit: inklusive Ruhezeiten 4h)

Grundteig:
1/2 TL Trockengerm
2 Tassen Mehl, glatt
275ml Wasser

Teig:
1/4 TL Trockengerm
1,75 Tassen Mehl, glatt
1,5 TL Salz
1 TL Honig

Rest:
Backpulver, Sesam, Mohn, Öl

  • Mehl und Trockengerm in einer großen Schüssel vermischen. Wasser (handwarm) hinzufügen und gut vermischen.
  • Abdecken und 2h an einem warmen Ort gehen lassen.
  • Mehl, Trockengerm, Honig und Salz zum Teig hinzufügen und vermengen.
  • Den Teig 10 Minuten mit den Händen kräftig durchkneten und ziehen.
  • Ein Backblech mit Öl bestreichen, Backpapier darauf legen und dieses ganz dünn mit restlichem Öl bestreichen.
  • Backofen auf 240°C vorheizen.
  • Teig in 12 Portionen teilen. Jede Portion zu einer Kugel formen, ein Loch in die Mitte machen und so den Bagel formen. (ich habe jeden Bagel wie ein lasse geschwungen um das Loch etwas größer zu machen).
  • Bagel auf dem Backblech verteilen, mit einem feuchten Geschirrtuch bedecken und 30-40 Minuten gehen lassen.
  • Großen Topfe Wasser zum Kochen bringen und 1 TL Natron hinzufügen.
  • Jeweils zwei Bagels in das kochende Wasser gleiten lassen und auf jeder Seite 30 Sekunde garen.
  • Bagels aus dem Wasser nehmen auf einer Seite in Mohn oder Sesam drücken und zurück auf das Backblech setzen.
  • Mit allen Bagels so vorgehen.
  • Backblech ins Backrohr schieben und 5-7 Minuten backen. Die Bagels sollen goldbraun sein.
  • Backblech aus dem Rohr ziehen und abkühlen lassen.

Anmerkungen:
  • warmer Germteig ist ganz ganz schlecht für den Magen. Trotzdem kann man nicht immer der Vernunft folgen. Bagels frisch aus dem Backrohr schmecken toll!
  • Meine Lieblings Bagel-Füllung ist wie folgt: Bagel aufschneiden, mit Frischkäse bestreichen, Avocadoscheiben darauflegen, einige Spritzer Limettensaft, Salz, Pfeffer, Chilipulver (!). Schmeckt großartig!
  • Bagels lassen sich sehr gut einfrieren und bei Bedarf dann aufbacken.

Montag, 25. Juli 2011

Südsteiermark 2011

Fast schon eine Tradition: Zum dritten Mal haben wir einige sehr schöne Tage am südlichsten Zipfel der Steiermark verbracht. Ach, wie ist das schön, wenn man an Graz vorbei ist und nach ca. 20 Minuten Fahrt die Hügel so richtig hügelig werden. Ein Hügel reiht sich an den nächsten, in einem Tal hängen ein paar Wölkchen, im nächsten nicht. Dazwischen verträumte Orte (manche auch touristischer), Häuser die unter überbordenden Blumenkästen förmlich unterzugehen scheinen, Buschenschenken, Weingüter, Obstbaumgärten.

Blick über Tunauberg (Quelle: PuresLeben.at)

Aus Erfahrung wissen wir, dass es wichtig ist, dass man hier eine Unterkunft mit Koch- und Kühlmöglichkeit wählt. Sonst kann man die ganzen Köstlichkeiten, die sich am Weges- und Straßenrand aufsammeln lassen gar nicht genießen. Diesmal haben wir bei PuresLeben logiert. Eine Unterkunft, die ich guten Gewissens weiterempfehlen kann. Ein durchdachtes Konzept mit Liebe zum Detail, zu Qualität, zu Regionalität. Für Gäste die Ruhe und ein perfektes "ZuHause" suchen.

Die inkludierte Hängematte die zwischen den Zwetschgenbäumen gespannt war konnten wir infolge gewaltiger Regenfälle leider nur am Anfang des Urlaubs nützen. Den Grill haben wir - Wettergott sei Dank - unter einem riesigen Doppel(!!) Regenbogen eingeweiht.

Das Grillgut haben wir natürlich bei der Fleischerei Hasewend in Eibiswald ausgesucht. Dort haben wir vor zwei Jahren sehr schön gewohnt und den Fleischer ins Herz geschlossen. Kein unpersönlicher Riesenbetrieb, sondern ein Meisterbetrieb, wo geschlachtet wird und der Fleischer die Bauern kennt. Meister Hasewend informiert bescheiden über seine Produkte und man ist richtig traurig, dass es solche Fleischer nur noch so selten gibt. Das Kübelfleisch wird zum Beispiel nach einer alten Methode hergestellt. Geselcht und dann in Schmalz konserviert. So wurde früher, in der Pre-Kühlschrank-Zeit, haltbar gemacht. Kübelfleisch braucht einen Monat bis es genussbereit ist. Und nur am Rand erwähnt der Meister, dass heute Gewürze und andere Stoffe in das Fleisch geimpft werden und so der Schinken innerhalb von 24h im Regal liegt. Turbo-Schinken nennt er das. Ich fühle mich richtig stolz, als ich mit dem langsamen Kübelfleisch das Geschäft verlasse. Stolz auf Langsamkeit ... das ist so selten heute.

Steirisches Kübelfleisch (Quelle: Hasewend.at)

Natürlich haben wir auch Weingüter besucht und uns sehr gefreut die Herrn Gross und Muster persönlich anzutreffen. Für einen Sauvignon Freund wie mich ist die Südsteiermark ein nicht versiegen wollender Quell der Freude. Bei Muster haben wir noch ein Flascherl Williamsbirne mitgenommen. Mit Abstand der beste den ich seit langem probiert habe!

Die Weineinkäufe haben wir noch nicht angerührt und uns stattdessen ausschließlich am Isabella Frizzante von Silly erfreut. Ich bin ja von einer ganz bösen Sucht nach Isabella Trauben befallen und kann diese betörend nach Erdbeere duftende Traube - eigentlich wie ein Trüffelschweinchen - überall aufstöbern. Nichts ist schöner als in der Nähe eines reifen Isabella Rebstocks zu lesen. Dieser Duft! Unanständig. (in der Toscana habe ich sie letztes Jahr übrigens als Uva Fragola wiedergefunden) Isabella ist als Direktträger umstritten und gehört vielleicht nicht zu den "großen" Weinen, aber sicher zu den zugänglichsten. Der Frizzante von Isabella Trauben ist ein traumhaftes Sommergetränk. Beerige Sommerträume im Glas.

Am Rande seien auch noch diese großartigen Sommerzucchini erwähnt. Wiedermal ein Beispiel dafür, dass richtig gutes Gemüse und einfach Gemüse zwei verschiedene Hüte sind. Diese Zucchini schmeckte so unglaublich nach Zucchini, dass sogar der Tangoero nach mehr Zucchini verlangte. Die Zucchini wurde übrigens nur in fingerdicke Scheiben geschnitten und mit Zitronenschalen, Pfeffer und ein wenig Knoblauch in Öl mariniert. Kurz gegrillt. Gesalzen. Fertig.

Und weil die Südsteiermark nicht nur aus Wein besteht, sei auch noch diese fabelhafte Mostschänke erwähnt. Die Panoramaschenke Tertinek bietet zuerst mal ein großartiges Panorama. So eines das man ehrfürchtig ansieht und sich denkt, dass man sich den Anblick auf ewig merken sollte. (was man dann nicht tut, und man weiß es schon jetzt, und das macht einen ein bisserl traurig). Nachdem man sich also an diesem Anblick erfreut hat, stapft man die letzten 30 Meter zur Schenke hoch und geht noch nicht hinein. Nein! Denn zuerst muss man zum Kleintiergehege, wo ein Esel (Felix, Achtung (!) er isst gerne Regenjacken) und mehrere Ziegen ein wirklich sensationelles Schauspiel abziehen. Hat man das alles gesehen, dann kann man endlich in die Schenke gehen. Es handelt sich um eine recht klassische Schenke. Sehr ordentlich. Die Familie die sie betreibt ist besonders nett und die Speisen sind besonders gut. Hier gibt es keinen Wein, sondern Apfelmost. Und der Most (vergorener Apfelsaft) ist besonders gut. Am besten ist er als Most-Bärli, das ist ein gespritzer Most mit einem Schuss Brombeersirup. Pfui, wird der Leser sagen. Aber wenn er es ausprobiert hat, dann wird er es auch ganz toll finden. Weiters bäckt die Herrin des Hauses unglaublich gute Germgebäcke. Wir haben die Buchteln und die Nussschnecken probiert. Aiaiai, unglaublich gut. Wie früher. Die Nussschnecken sind wie ein Kärtner Reindling gemacht und nicht zu süß und so saftig und germig. Ja, da habe ich mir gleich zwei für die Fahrt mitgenommen. (und der Tangoero hat immerzu gesagt: frag sie doch nach dem Rezept! - weil meine Buchteln nie nie nie soooo gut schmecken. das hat er natürlich nicht so gesagt und vielleicht auch nicht gedacht. aber ich sage es euch, liebe Leser: er hat recht.)

So genug geschwärmt von der Südsteiermark. Ich freu mich schon aufs nächste Jahr.

Mittwoch, 20. Juli 2011

Ötscher via Rauher Kamm

Ausblick

Es war ein perfekter Sommertag, als wir vergangenen Samstag Richtung Mostviertel losfuhren um den Ötscher via Rauhen Kamm zu erklimmen. Wie immer dauerte die Fahrt ins Mostviertel deutlich länger als erwartet. Diese Ecke Österreichs ist zu verwinkelt.

Bei perfekter Witterung starteten wir in Lackenhof an der Nordseite des Ötschers und wanderten zuerst an idyllischen Häusern vorbei. Dann ging es in den Wald und die ersten 400 Höhenmeter hinauf. Immer wieder boten sich traumhafte Ausblicke. So viele Blumen und so fettes Gras habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Leider hatten wir wieder kein Pflanzenbestimmungsbuch dabei. Die Beschreibung beschränkt sich also auf: bunt, hat wie Lilie ausgesehen, flauschige Blätter u.ä..
Nach einer Stunde stellten wir leider fest, dass wir zwar eine Kamera dabei hatten, aber keine Speicherkarte. Die Photos wurden also alle mit der Handykamera aufgenommen.

Nach etwa 3h erreichten wir den Einstieg zum Rauhen Kamm. Man besteigt den Ötscher quasi vom Osten her via mehrerer Zinnen und diese Zinnen sind der Rauhe Kamm. Es handelt sich um eine ziemliche Kraxlpartie mit einigen ausgesetzten Stellen. Die Strecke haben wir gut bewältigt und es war definitiv nicht langweilig. Nach der letzten Kraxelei muss man noch 20 Minuten über eine Hocheben wandern und erreicht dann das Ötscher Gipfelkreuz. Von dort sind es nochmals 40 Minuten bis zum Ötscher Schutzhaus von wo man den Sessellift ins Tal nehmen kann und sich so den wenig reizvollen Abstieg über Schipisten erspart. Der Lift ist sehr teuer. Eine einfache Fahrt kostet 8,5 EUR. Vom Ötscher Schutzhaus waren wir übrigens richtig enttäuscht. Eine ziemlich vernachlässigte Hütte, das Essen war nicht frisch und die Mitarbeiter alles andere als motiviert. Eine Enttäuschung nach der tollen Bewirtung auf dem schönen Vorderötscher Schutzhaus die Woche zuvor.

Zur Belohnung fuhren wir anschließend an den wenige Kilometer entfernten Lunzer See um uns abzukühlen. Aiaiai, dort ist wirklich die Idylle zu Hause. Der See liegt malerisch von Wald umgeben und man genießt ein schönes Bergpanorama. Im Vergleich zum Erlaufsee ist der Lunzer See mit 22°C richtig warm. Das Strandbad ist vorbildlich geführt und sehr schön angelegt. Das Wasser ganz klar und frisch. Den Lunzer See werde ich sicher noch öfters besuchen.

Route: Lackenhof - Bärenlacke - Rauher Kamm - Ötscher - Ötscherlift - Lackenhof
Gehzeit: ca. 7h
Schwierigkeit: anspruchsvolle Tour mit exponierten Felspassagen

Blick zurück über den Rauhen Kamm.